Soziologie (Wahlpflichtfach)

Selbstverständnis des Fachs

„Du willst nicht, dass nur manche sichtbar sind, nur diejenigen, die irgendeinem Ebenbild entsprechen, das jemand einmal erfunden und als Norm ausgegeben hat, Du willst, dass es reicht, ein Mensch zu sein, dass es keine weiteren Eigenschaften oder Merkmale braucht, um gesehen zu werden. Du willst nicht, dass diejenigen, die etwas anders aussehen als die Norm, übersehen werden, Du willst nicht, dass es überhaupt eine Norm gibt für das, was gesehen, und das, was nicht gesehen wird. Du willst nicht, dass die, die abweichen, weil sie eine andere Hautfarbe haben oder einen anderen Körper, weil sie anders lieben oder anders glauben oder anders hoffen als die das Ebenbild prägende Mehrheit, zu Boden gestoßen werden. Du willst, dass es aufhört, weil es eine Kränkung für alle ist, nicht nur für diejenigen, die übersehen und zu Boden gestoßen werden.“

Carolin Emcke: Gegen den Hass. Frankfurt am Main. 2016. S.24f.

Die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke verfasst mit ihrem Buch „Gegen den Hass“ ein Plädoyer für die Menschlichkeit, für eine empathische Gesellschaft, die sich gegen Diskriminierung, Gewalt, Hass und Ausgrenzung stellt und fordert uns alle zum gesellschaftlichen Handeln auf. Sie umreißt damit aber auch das Selbstverständnis des Fachs Soziologie an der Fachoberschule Germering, denn Ziel ist es mithilfe von Beobachtung, Messung, Analyse und ihre Deutung gesellschaftliche Strukturen sichtbar zu machen, um Probleme zu erkennen, zu benennen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Beginnend im Kleinen – bei uns selbst – setzt sich das Fach mit dem Individuum und seiner Identität auseinander. Fragen wie „Was ist mein Platz in der Gesellschaft?“, „Warum bin ich eigentlich so wie ich bin?“, „Werde ich mal wie meine Eltern?“, „Wie werde ich den Erwartungen der Gesellschaft gerecht?“ sind zentral und der Versuch der Beantwortung trägt zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler*innen bei. Sie „gewinnen diesbezüglich ein Bewusstsein für ihre eigene soziale Identität, für Interaktionsprozesse mit anderen Menschen und ihre unterschiedlichen Rollen in den verschiedenen sozialen Subsystemen der Gesellschaft“ (LehrplanPLUS – Fachoberschule – Soziologie – Fachprofile (bayern.de)).

Uns interessiert aber auch wie das Individuum in einer Gruppe funktioniert und welche Gruppendynamiken sich entwickeln. Dabei ergründen wir die Mechanismen von Macht und Herrschaft. Schließlich betrachten wir die gesamte Gesellschaft und decken ihre Strukturen auf, um sie kritisch zu hinterfragen. „Ist unsere Gesellschaft gerecht?“, „Sind bei uns alle Menschengleich?“, „Wieso gibt es in einer Demokratie soziale Ungleichheit und wie zeigt sie sich?“, „Warum gibt es Diskriminierung?“, „Wieso gibt es in Deutschland immer noch Rassismus und Antisemitismus, obwohl wir doch aus den Lehren der Vergangenheit gelernt haben sollten?“, „Wie funktionieren Verschwörungstheorien?“ und „Warum ist man selbst vor Stereotypen und Vorurteilen nicht gefeit?“ – diese und ähnliche Fragen stellen wir uns im Soziologieunterricht, um mit neuen kreativen Ideen dazu beizutragen, unsere Freiheitlich Demokratische Grundordnung zu sichern und sie für jeden Menschen in unserer Gesellschaft gleichermaßen geltend zu machen.

Neben dem regulären Unterricht werden unsere Schüler*innen in der Fähigkeit, soziale Sachverhalte empathisch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, soziale Phänomene zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren, geschult, indem sie sich in fächerübergreifenden Schulprojekten und Arbeitsgemeinschaften wie die AG „Soziales Engagement“ einbringen.

Das Fach Soziologie trägt zur bewussten Identitätsfindung unserer Schüler*innen bei, sie werden dazu ermutigt, selbstbewusst zu handeln und lernen dabei eigenes und fremdes Verhalten besser zu verstehen, um ihren Mitmenschen toleranter zu begegnen.

Das Fach Soziologie wird an unserer Schule im Sozialzweig in der 12. Jahrgangsstufe als Pflichtfach unterrichtet. Im Wirtschaftszweig kann das Fach in den Jahrgangsstufen 12 und 13 als Wahlfach belegt werden.

Eindrücke von Schüler*innen zum Fach Soziologie

„Psychologie, Sozialpsychologie und Soziologie waren dieses Jahr bei einigen im Stundenplan und schnell kam die Frage auf, was da eigentlich der Unterschied sein sollte. Im Gegensatz zu den anderen beiden Fächern beschäftigten wir uns in Soziologie nicht nur mit dem Menschen als ein Individuum, sondern mit dem Menschen als einen Teil der Gesellschaft und dem Handeln in sozialen Kontexten. Dabei ist dies nicht einfach nur ein Fach, dass wie viele andere auf „-ologie“ endet, sondern man lernt viel über sich selbst und seine Mitmenschen, das Funktionieren der Gesellschaft in der wir leben und wie unsere Funktion in diesem Gebilde ausschaut. Vom neuen gesellschaftlichen Trend der Singularität, über Chancengleichheit und sozialer Ungleichheit bis hin zu den Sinus-Milieus der Gesellschaft, findet sich eine große Bandbreite an aktuellen Themen und Konflikten wieder, die nicht trockene Theorie darstellen, sondern die man immer wieder auf das eigene Leben und Umfeld übertragen kann. Also, wo ist dein Platz in der Gesellschaft, zu welchem Milieu gehörst du und in welche Rollen schlüpfst du tagtäglich? Die Möglichkeit, das zu erfahren, hat sich im Fach Soziologie geboten.“

Ayline Zempel, S12a

„Ich persönlich, als Schüler des Wirtschaftszweiges, fand das Fach Soziologie im Nachhinein wirklich sehr interessant und wissenswert. In diesem Fach bekommt man sehr gute Denkanstöße und lernt Dinge, welche man auch wirklich im Leben benötigen kann.
Durch abwechslungsreiche Projekte und Gruppenarbeiten wird es auch nicht langweilig.“

Raphael Kessler, W12a